Der Grad der Behinderung (GdB)

Bevor ein behinderter Mensch als schwerbehindert anerkannt werden kann, muss der Grad der Behinderung (GdB) festgestellt werden. Menschen sind im Sinne des Schwerbehindertengesetzes (SchwbG) dann behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und dadurch Ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.

Grad der Behinderung

Der Grad der Behinderung (GdB) für eine abweichende körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit wird nach der Auswirkung der Beeinträchtigung in Zehnergraden abgestuft von 20 bis 100 festgestellt. Dabei werden einzelne Beeinträchtigungen nur berücksichtigt, wenn sie für sich allein einen GdB von mindestens 10 ausmachen.

Keine Addition von einzelnen GdB-Werten

Bei der Ermittlung des Gesamt-GdB für alle Behinderungen dürfen die einzelnen GdB-Werte nicht addiert werden. Maßgebend sind die Auswirkungen der einzelnen Behinderungen in ihrer Gesamtheit unter Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen zueinander.

Dabei ist zu beachten,

  • wie weit die Auswirkungen der einzelnen Behinderungen voneinander unabhängig sind und damit ganz verschiedene Bereiche im Ablauf des täglichen Lebens betreffen. So ist beim Zusammentreffen eines insulinpflichtigen Diabetes mit einer Gehbehinderung und einer Schwerhörigkeit der behinderte Mensch in drei verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens betroffen. Damit ist jeder Bereich entsprechend der Schwere der einzelnen Gesundheitsstörung bei der Gesamt-GdB Bildung zu beachten
  • ob sich eine Beeinträchtigung auf eine andere besonders nachhaltig auswirkt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Beeinträchtigungen an paarigen Gliedmaßen oder Organen vorliegen, wie zum Beispiel an beiden Armen, beiden Beinen oder beiden Augen
  • wie weit sich die Auswirkungen der Beeinträchtigungen überschneiden. Wenn zum Beispiel neben einem Herzschaden und eine geringe Beeinträchtigung an einem Fuß vorliegt. Die Gehfähigkeit und die Leistungsfähigkeit wird schon durch den Herzschaden so sehr eingeschränkt, dass sich der andere  Gesundheitsschaden nur noch wenig auswirkt
  • dass das Ausmaß einer Beeinträchtigung durch hinzutretende Gesundheitsstörungen oft gar nicht verstärkt wird, wie zum Beispiel die Lähmung des Fußsenkernervs und eine Versteifung des Fußgelenks in günstiger Stellung an demselben Bein.

Bildung des Gesamt-GdB

Bei der Beurteilung des Gesamt-GdB wird normalerweise von der Behinderung ausgegangen, die den höchsten Einzel-GdB verursacht. Dann wird geprüft, ob durch die weiteren Gesundheitsstörungen das Ausmaß der Behinderung größer wird, ob also wegen der weiteren Behinderungen dem ersten GdB 10 oder mehr Grade hinzuzufügen sind, um der Gesamtbehinderung gerecht zu werden.

Die für die ärztliche Begutachtung geltende Versorgungsmedizin-Verordnung weist ausdrücklich darauf hin, dass Rechenmethoden für die Bildung des Gesamtgrades der Behinderung ungeeignet sind. Das hat auch das Bundessozialgericht bestätigt.

Nachprüfung von Amts wegen

Der ärztliche Dienst des Versorgungsamtes beurteilet, ob und wann von Amts wegen eine Nachprüfung einer Behinderung notwendig ist, weil eine Besserung der Gesundheitsstörung möglich ist. Bei einigen Gesundheitsstörungen, wie zum Beispiel bösartige Tumorerkrankungen oder Transplantationen innerer Organe wird dabei die Zeit einer Heilungsbewährung berücksichtigt.

Versorgungsmedizin-Verordnung

Die Bezeichnung der Behinderung und die Angabe des GdB erfolgt nach der vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung herausgegebenen „Versorgungsmedizin-Verordnung“ (VersMedV). In dieser ist auch eine Bewertungstabelle enthalten.

Artikel vom 20.12.19