Der Rollstuhl

Der Rollstuhl ist ein Hilfsmittel, welches körperlich behinderten Menschen, deren Fähigkeit zu gehen stark beeinträchtigt ist, eine gewisse Mobilität ermöglicht.

Welche Arten von Rollstühlen gibt es?

1. Standardmodell

Funktion und Einsatzgebiet:
Der Nutzer muss von einer anderen Person geschoben werden, der Rollstuhl ist daher nur als vorübergehende Mobilitätshilfe geeignet, bspw. als Transportmittel in Kliniken, Seniorenheimen, Flughäfen usw.

Besonderheiten, Vor-und Nachteile:

  • Grundversorgung; als Dauerlösung ungeeignet.

  • Kann nur begrenzt an individuelle Bedürfnisse angepasst werden.

  • Sehr schwer (ca. 20 kg), da aus Stahlrohr gefertigt.

  • Ab 100 Euro.

Hier finden Sie ein Beispiel für ein Standardmodell

2. Multifunktionsrollstuhl

Funktion und Einsatzgebiet:
Der Multifunktionsrollstuhl wurde für Menschen mit schwersten Behinderungen entwickelt, die sich aus eigener Kraft kaum noch bewegen können.

Besonderheiten, Vor-und Nachteile:

  • 25 – 40 Kilo.

  • Diverse Sitzpositionen einstellbar.

  • Kopf- und Fußstützen, Armlehnen, Bedienhebel etc. sind schnell und einfach einzustellen.

  • Ab ca. 800 Euro

3. Leichtgewichtsrollstuhl

Funktion und Einsatzgebiet:
Dieser Rollstuhl ist für den Dauereinsatz geeignet.

Besonderheiten, Vor-und Nachteile:

  • Aus Aluminium gefertigt, d. h. deutlich weniger Gewicht als der Standardrollstuhl.

  • Viel Kraft erforderlich für selbstständige Fortbewegung.

  • Ab ca. 250 Euro.

Hier finden Sie ein Beispiel für einen Leichtgewichtrollstuhl

4. Aktivrollstuhl (auch Adaptivrollstuhl genannt)

Funktion und Einsatzgebiet: Zum Dauereinsatz geeignet. Kann ohne große Anstrengung bedient werden und erleichtert somit die selbstständige Fortbewegung erheblich.

Besonderheiten, Vor-und Nachteile:

  • Geringes Gewicht mit 5 – 10 Kilo.

  • Geringer Rollwiderstand.

  • Individuell an Nutzer angepasst in vielerlei Hinsicht, z. B. im Schwerpunkt.

  • ca. 1000 – 6000 Euro.

5. Elektrorollstuhl

Funktion und Einsatzgebiet:
Elektrisch betriebene Rollstühle sind besonders für Menschen geeignet, die ihre Arme kaum noch bewegen können oder wenig Kraft besitzen.

Besonderheiten, Vor-und Nachteile:

  • 40 – 100 Kilo und somit erheblich schwerer und breiter als andere Rollstühle.

  • Großer Bewegung-Radius.

  • Ab 1400 Euro.

Hier finden Sie ein Beispiel für einen Elektrorollstuhl

Manuelle Rollstühle

Manuelle Rollstühle werden aus der eigenen Muskelkraft angetrieben. Sie sind meist kleiner als elektrische Modelle, wodurch der Rollstuhlfahrer praktisch überall hinkommt und auch öffentliche Verkehrsmittel selbstständig nutzen kann.

Es gibt vier Arten von manuellen Rollstühlen:

  1. Standardrollstühle
  2. Multifunktions-/Pflegerollstühle
  3. Leichtgewichtsrollstühle und
  4. Aktiv-/Adaptivrollstühle
Standardrollstuhl

Standardrollstühle besitzen nur eine Standardausrüstung. Damit kann die Grundversorgung aber nicht viel darüber hinaus gewährleistet werden. Es sind kaum Zusatzausstattungen für dieses Modell verfügbar.

Der Standardrollstuhl ist der einfachste Rollstuhl und daher recht preiswert. Er ist stabil und langlebig, allerdings auch vergleichsweise schwer (rund 20 kg). Das bedeutet, viel Kraft für die selbstständige Fortbewegung des Rollstuhlfahrers ist eine Vorraussetzung.

Der Standardrollstuhl ist vor allem für den gelegentlichen Gebrauch geeignet und wird auch in Kliniken oder anderen Pflegeeinrichtungen eingesetzt.
Ein Standardrollstuhl ist insgesamt etwa zwischen 75 und 90 cm breit.

Multifunktionsrollstuhl/Pflegerollstuhl

Multifunktionsrollstühle können im Gegensatz zum Standardrollstuhl individuell angepasst werden. Es sind viele Sitz- und Positionierungsmöglichkeiten, sowie Ausstattungs- und Einstellungsvarianten denkbar. So kann der Betroffene viele Stunden beschwerdefrei sitzen.

Der Multifunktionsrollstuhl wird vor allem für stark pflegebedürftige Personen eingesetzt.

Pflegerollstühle sind allerdings auch sehr schwer (etwa 30 kg) und sperrig. Daher sind Sie weniger gut zum Transport mit dem Auto geeignet.

Auch die selbstständige Fortbewegung erfordert sehr viel Armkraft, weshalb dieser Rollstuhl eher geschoben wird und sich für Personen eignet, die in der Regel von einer Begleitperson begleitet werden.

Leichtgewichtrollstuhl

Ein Leichtgewichtrollstuhl ist mit 14 bis 19 kg besonders leicht. Das liegt daran, dass er aus Aluminium statt aus Stahl gefertigt wird.

Bei den meisten ist eine Steckachse vorhanden, sodass man die Räder abnehmen kann. Deshalb eigenet sich dieser Rollstuhl besonders gut für den Transport im Auto.

Leichtgewichtrollstühle sind zudem sehr wendig, dadurch aber auch teils schwer zu steuern, da man sich an den Umgang erst einmal gewöhnen muss. Leichtgewichtrollstühle sind durch ihr weniges Gewicht gut geeignet während Rehabilitationsphasen (bspw. nach einem Schlaganfall).

Auch diese Modelle können individuell angepasst werden, sind allerdings vergleichsweise teuer.

Aktivrollstuhl/Adaptivrollstuhl

Noch leichter und wendiger als der Leichtgewichtrollstuhl ist mit einem Gewicht von rund 7 kg der Aktivrollstuhl. Auch er besteht aus Aluminium und kommt vor allem im Behindertensport zum Einsatz.

Aktivrollstühle verlangen wenig Kraft, um sich damit fortzubewegen. Sie sind zudem sinnvoll, wenn jemand über längere Strecken geschoben werden soll. Geeignet sind Adaptivrollstühle vor allem für Personen, die an sich noch relativ fit sind und sich gut selbstständig fortbewegen können.
Sie sind eher weniger für Menschen mit hohem Pflegebedarf geeignet, falls sie den Rollstuhl allein nutzen sollen. Er kann sehr leicht umkippen.

Auch Aktivrollstühle können individuell angepasst werden und sind in vielen unterschiedlichen Varianten und Designs erhältlich.

Elektrorollstühle

Ein Elektrorollstuhl benötigt – keine Muskelkraft, sondern einen elektrischen Antrieb zur Fortbewegung. Geeignet ist dieses Modell vor allem für Menschen, die den Rollstuhl nicht aus eigener Kraft bewegen können.

So ist der Rollstuhlfahrer auch bei eingeschränkter Armkraft noch selbstständig und nicht darauf angewiesen, geschoben zu werden. In der Regel wird der elektrische Rollstuhl über einen Joystick oder eine ähnliche Vorrichtung gesteuert.

Im Vergleich zu manuellen Rollstühlen haben Elektrorollstühle aber auch den ganz klaren Nachteil, dass sie viel sperriger und schwerer (über 100 kg) sind. Sie nehmen viel Platz ein und können daher schwer transportiert werden, da sie nicht in einen normalen Pkw passen

Oftmals müssen Elektrorollstühle zudem draußen geparkt werden, wozu Sie eine besondere Stellfläche benötigen.

Elektrorollstühle gibt es sowohl für den Innenbereich (Indoor-Modelle) oder für den Außenbereich (Outdoor-Modelle).

Indoor-Elektrorollstühle

Elektrorollstühle für den Innenbereich sind deutlich leichter und wendiger als Outdoor-Modelle. Sie benötigen zudem eine kleinere Batterie, da sie meist kein unebenes oder schwieriges Gelände passieren müssen.
Da sie eher kompakt sind, kann man sich mit ihnen in einer barrierefreien Wohnung umherbewegen und auch Türen und Flure nutzen.

Outdoor-Elektrorollstühle

Elektrorollstühle für den Außeneinsatz sind deutlich weniger wendig als die Indoor-Varianten. Sie haben größere Antriebsräder und sind daher auch deutlich sperriger. Zudem benötigen Sie Batterien mit einer höheren Kapazität sowie eine Beleuchtung, um am Straßenverkehr teilzunehmen. In der Regel sind dies auch die teuersten Modelle.

Unterscheidung der Rollstuhlarten nach der Bauweise

Eine eher unter Fachmännern verbreitete Form der Unterteilung der Rollstühle ist die Einteilung aufgrund der Bauart.
So gibt es den klassischen Greifrollenrollstuhl, bei dem der Rollstuhlfahrer die Armkraft nutzt, um sich fortzubewegen, zu können.

Weniger bekannt ist dahingegen der Handhebelrollstuhl, bei dem sich der Rollstuhlfahrer vorwärts bewegt, in dem er mit zwei Handhebeln vor und zurücksteuert.

Schieberollstühle sind darauf angelegt, dass der Rollstuhlbesitzer von einer Begleitperson geschoben wird.

Dann gibt es noch Trippelrollstühle. Hierbei ist die Sitzfläche besonders niedrig. So wird es möglich, dass der Rollstuhlfahrer mit beiden Füßen bequem den Boden erreicht und sich trippelnd mit den Füßen fortbewegen kann.

Artikel vom 20.12.2019